Spannung, Spiel und eine Maß

Turbulenzen beim Hotel-Check-In und ein 15-minütiger Fußweg mit Trommeln durch den Regen hinderten die mitgereisten knapp 50 Supporter und Fans nicht daran, pünktlich eine Stunde vor Spielbeginn im Audi Dome anzukommen. Fix die Stehplätze eingenommen und die Trommeln und Doppelhalter verteilt begannen wir dann auch schon mit den ersten Fangesängen.

Anscheinend hatten unsere Gesänge die Mannschaft so angespornt, dass diese mit Spielbeginn loslegte wie die Feuerwehr. Vor allem unser Kapitän Nils Mittmann war kaum zu bremsen und wurde mit zehn Zählern und 100 Prozent Trefferquote zum Mann des ersten Viertels.

Aber nicht nur Nils, sondern die gesamte Mannschaft präsentierte sich wach und entschlossen, hier die zwei Punkte mitnehmen zu wollen. Und während die Gastgeber noch nach ihrer Form suchten, waren die Phantoms schon mit einer Acht-Punkte-Führung zum Ende des ersten Viertels enteilt.

Es wäre zu schön gewesen, wenn das Spiel weiterhin so verlaufen wäre. Und natürlich war das nicht der Fall. Denn die Bayern kamen mit Beginn der zweiten zehn Minuten besser ins Spiel. Nationalspieler Steffen Hamann zog immer wieder beherzt und erfolgreich zum Korb. Und der eigentlich im Loch steckende Jan-Hendrik Jagla fand vermehrt Mittel und Wege, unserer Mannschaft weh zu tun.

Die Phantoms verloren in dieser Phase ihre Linie. Anstatt das Spiel der ersten zehn Minuten fortzuführen, wurden die Systeme nicht mehr konsequent durchlaufen. Die Folge waren Ballverluste und schwierige Würfe mit Ablauf der Shot-Clock, die folglich nicht ihr Ziel fanden. Auf der anderen Seite zog Guard Jonathan Wallace das Spiel immer mehr an sich und traf aus nahezu allen Lagen. Obwohl Dennis, McElroy und Co. bereits mit zwölf Punkten in Führung lagen, ging es mit einem Rückstand von 40:41 in die Halbzeit.

Mit Beginn des dritten Viertels biss sich unser Team an den Bayern fest, und es entwickelte sich ein Spiel auf Augenhöhe. Vor allem Rich Melzer fand immer mehr seinen Rhythmus. Der Forward sammelte Rebound um Rebound (insgesamt acht) ein und zog viele Fouls. Insgesamt standen die Phantoms in diesem Spielabschnitt häufig an der Freiwurflinie – und das mit guter Quote. Aber es gelang ihnen nicht, sich abzusetzen und von der Freiwurfschwäche der Bayern zu profitieren. Ganz im Gegenteil: Gegen Ende der zehn Minuten spielten die Gastgeber sich wieder einen kleinen Vorsprung heraus und gingen mit sechs Punkten in Führung (65:59).

Wer nun aber glaubte, dass die Messe schon gelesen war, der musste sich eines Besseren belehren lassen. Neben Rich wurde auf den großen Positionen auch Kyle Visser immer stärker. Unser Center war kurz vor der Halbzeit nach einem Foul umgeknickt und schien nicht mehr spielen zu können. Doch er kehrte auf den Court zurück und machte Hall und Nadjfei das Leben schwer. In dieser Phase machte unsere Mannschaft vieles richtig und nutze jetzt auch konsequenter das Spiel über die Big Men. Das machte sich bezahlt: bei nur noch sechs Spielminuten führten Williams, Greer und Kollegen mit vier Zählern.

So gut das Offensiv-Spiel auch lief, so schlecht stand teilweise jedoch die Defensive. Die Bayern spielten jetzt einen regelrechten „small ball“. Das bedeutet, dass sie sogar auf den eigentlich großen Positionen mit eher kleineren Spielern agierten. Dadurch wurden sie schneller und nutzten dies gekonnt aus. Wallace zog immer wieder beherzt zum Korb und war nicht zu stoppen. Er erhielt zudem Unterstützung von Philipp Schwethelm, der nun ebenfalls aufdrehte. Und als ein Dreipunktewurf von unserem Kapitän durch die Reusen rauschte, aber nicht gegeben wurde, weil die Shot-Clock eine Zehntel-Sekunde zuvor abgelaufen war, schien das Momentum nun endgültig auf bayerischer Seite zu sein.

Und so war es dann auch. Zwar war die Partie unfassbar spannend und die Phantoms blieben nach wie vor dran, aber am Ende reichte es nicht mehr. Die Gastgeber um Foster, Wallace und Schwethelm gaben sich in der entscheidenden Phase an der Freiwurflinie keine Blöße. Da konnte auch ein erfolgreicher Dreier von Rich drei Sekunden vor Spielende nicht mehr schocken. Schlussendlich gewannen die Münchner die Begegnung mit 90:87.

Ein wenig enttäuscht, aber dennoch zuversichtlich zogen wir uns aus der Spielstätte Richtung Bierhalle im „Augustiner“ zurück. Bei der ein oder anderen Maß waren wir uns insgesamt alle einig, eine gute Partie mit zwei Mannschaften auf Augenhöhe gesehen zu haben. Und da die Bayern ja schon jetzt als sicherer Playoff-Kandidat gelten, kann man daraus wohl im Umkehrschluss ableiten, dass auch die Phantoms gute Chancen haben sollten, am Ende der Saison in die Meisterschaftsrunde einziehen zu können….

Scouting zum Spiel

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